Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Projektpartnerinnen und Projektpartner,
nach sechs Jahren intensiver und erfolgreicher Zusammenarbeit im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA’27) sehen wir uns aufgrund der aktuellen finanziellen Herausforderungen, vor denen unsere Stadt steht, zu einer schweren, aber notwendigen Entscheidung gezwungen: Das Projekt „Agriculture meets Manufacturing“ wird mit sofortiger Wirkung pausiert.
Was bedeutet das konkret?
Die Stadt wird keine neuen Aktivitäten im Rahmen des IBA-Projekts beginnen. Städtische Mittel können dieses Jahr nicht zur Verfügung gestellt werden. Zudem wird das Klenk-Areal geräumt, um Kosten für den Unterhalt einzusparen. Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, denn die gemeinsamen Erfolge und die kreative Dynamik, die wir in den vergangenen Jahren erleben durften, sind von großer Bedeutung für unsere Stadtentwicklung. Zudem wird das Projekt inzwischen auch weit über die lokalen Grenzen positiv hinaus wahrgenommen und erzeugte einen nicht geringen Erwartungsdruck als Pilotprojekt für zukünftige Transformationsprozesse in ähnlichen Gebietskonstellationen.
Für das, aus dem IBA-Projekt abgeleitete Sanierungsverfahren „Gewerbegebiet Fellbach West“ zeichnet sich ab, dass die maximale Förderhöhe für private Modernisierungs- oder Ordnungsmaßnahmen nicht mehr gewährt werden kann. Bis voraussichtlich 2029 stehen deutlich reduzierte Haushaltsmittel zur Verfügung, sodass insgesamt weniger Fördermittel an Sanierungsinteressenten vergeben werden können.
Laufende Teilprojekte und Vorhaben werden selbstverständlich abgeschlossen. Dies betrifft insbesondere die Aktivitäten von Projektpartnern, wie dem Ansatz der Musterhausausstellung, in Zusammenarbeit mit den Hochschulen, den Ausstellern und der IBA‘27 neue Modelle des Einfamilienhausbaus zu präsentieren, der Realisierung des neuen Quartiers in der Eppingerstraße durch das Siedlungswerk, sowie die Durchführung des „0711“ Wettbewerbs durch die Architektenkammer BW und die IBA‘27. Hier hält sich die Stadt an getroffene Zusagen und unterstützt den erfolgreichen Abschluss.
Privates/ unternehmerisches Engagement kann weiterhin stattfinden, wenn dies den IBA-Standards entspricht. Allerdings sind hier die Möglichkeiten der Unterstützung durch die Stadt Fellbach begrenzt.
Gleichzeitig möchten wir Ihnen versichern, dass die bisher erarbeiteten Ergebnisse und Errungenschaften des Projekts nicht verloren gehen. Dies betrifft insbesondere die vielen gemeinsam erstellten Gutachten und Studien, sowie die Erkenntnisse aus dem erfolgreich durchgeführten Transformationsprozess. Im Ausstellungsjahr 2027 werden wir diese wertvollen Ergebnisse in einer gebührenden Präsentation der Öffentlichkeit zugänglich machen und damit die Früchte unserer Zusammenarbeit würdigen.
Wir danken Ihnen von Herzen für Ihr Engagement, Ihre Kreativität und Ihre partnerschaftliche Unterstützung in den vergangenen Jahren.
Für Rückfragen und den weiteren Austausch stehen wir Ihnen selbstverständlich jederzeit gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Beatrice Soltys
Hier finden Sie alle Informationen zu dem Projekt "Agriculture meets Manufacturing" der Stadt Fellbach, welches in der Internationalen Bauausstellung 2027 GmbH StadtRegion Stuttgart (IBA’27) vertreten ist. For the english version of the project flyer - download here.
Landwirtschaft trifft Gewerbe
»Das Fellbacher IBA’27-Projekt befasst sich mit den Kernfragen der ›produktiven Stadt‹, einem Leitthema der IBA«, so IBA’27-Intendant Andreas Hofer. »Wie werden aus veralteten Gewerbegebieten lebenswerte urbane Räume? Welche Gebäude und Orte braucht es für die industriellen Produktionsweisen der Zukunft? Wie können Flächen dichter und effizienter genutzt werden? Wie sichern wir mit urbaner Landwirtschaft den lokalen und nachhaltigen Anbau von Lebensmitteln? In Fellbach könnte aus dem Bestand heraus ein vorbildhaftes Gesamtbild der zukunftsfähigen urbanen Produktion entstehen, das auf andere Orte übertragbar ist.«
Ein Möglichkeitsraum für Innovation
Das Untersuchungsgebiet in Fellbach umfasst insgesamt 110 Hektar und liegt zwischen Stuttgart Bad Cannstatt und der Fellbacher Innenstadt. Auf der einen Seite der Stuttgarter Straße als Hauptverkehrsachse liegen intensiv genutzte Landwirtschaftsflächen mit Gärtnereien, Obst- und Gemüseanbau, auf der anderen Seite befindet sich das größte und älteste Gewerbegebiet der Stadt. Landwirtschaft trifft auf Gewerbe - eine typische räumliche Konstellation, die so auch in vielen anderen Kommunen vorkommt. Diese 110 Hektar sind für als „Möglichkeitsraum“ zu verstehen, den wir in der Rolle des Impulsgebers nachhaltig und innovativ, gemeinsam mit den Akteuren vor Ort entwickeln werden. Das bedeutet, das Untersuchungsgebiet wird in seiner Gesamtheit planerisch, wissenschaftlich und dialogbasiert untersucht und gemeinsam aufgewertet. Die daraus abgeleiteten baulichen Vorhaben realisieren wir als Stadt, vor allem aber in kooperativen Verfahren mit privaten Immobilieneigentümern.